Kritik am öffentlich-rechtlichen Rundfunk in Deutschland

Am 30. Juli 2012 lief um 22 Uhr eine Sendung namens „Die Milchlüge“ im Norddeutschen Rundfunk. Eigentlich war die Sendung schon für den 7. Mai angekündigt, ist dann aber kurzfristig wieder aus der Programmplanung gestrichen worden. Über die Gründe dafür existieren meines Wissens nur Spekulationen. Es ist auch nicht klar, ob und inwiefern die Fassung, welche für den 7. Mai angekündigt wurde sich von der tatsächlich ausgestrahlten Version unterscheidet. Die Vermutung ist allerdings sehr naheliegend – denn welcher Sender würde seine Programmplanung ohne guten Grund so kurzfristig abändern? Dass es Einflussnahme von Seiten der Milchwirtschaft gab ist reine Spekulation, aber auch nicht abwegig. Leider hält sich der NDR bedeckt, anstatt die Sachlage aufzuklären.

Nach der Ausstrahlung waren viele Veganer enttäuscht, da sie sich eine kritischere Berichterstattung zum Thema Milch und allem was damit zusammenhängt erhofft hatten.

Ich möchte in diesem Eintrag nicht auf die Qualität der Sendung eingehen, sondern allgemein an der Uhrzeit zu der Reportagen und Dokumentationen im öffentlich-rechtlichen Fernsehen laufen Kritik äußern. Denn viele potentielle Zuschauer haben um diese Uhrzeit ihr TV-Gerät schon ausgeschaltet. Der Grund für derartige Sendezeiten ist etwas über das ich mich immer wieder ärgere: Die Ausrichtung des Programms nach den Quoten.

Als Folge davon laufen bei ARD und ZDF um 20.15 fast jeden Abend Sendungen, welche rein fiktiv sind. Versteht mich nicht falsch: Ich habe nichts dagegen, dass Leute Krimis, Liebesfilme usw. um diese Uhrzeit sehen möchten. Es ist verständlich nach einem langen Arbeitstag abschalten zu wollen, anstatt sich auch noch vor dem Schlafen gehen mit unangenehmen Dingen konfrontieren zu lassen, vor allem wenn die dann noch von einem Gefühl begleitet werden, welches einen damit niederschlägt, dass man ja sowieso nichts ändern könne.

Mein einziges Problem an der jetzigen PrimeTime-Programmgestaltung ist, dass ich glaube, dass ARD und ZDF in dem umfangreichen Maße, in welchem rein fiktive Sendungen über den Äther laufen die falsche Plattform dafür sind.

Warum laufen um 20.15 nicht Sendungen wie „Weltspiegel“? Vielleicht auch „die.story“ oder kritische Magazine wie „Panorama“ und „Frontal.21“ (auch wenn das letztgenannte hin- und wieder an der Sachlichkeit einzelner Beiträge arbeiten sollte)?

Es ist nicht so als ob man bei ARD und ZDF derartige Kritik noch nicht gehört hätte – die Verteidigung der jetzigen Programmgestaltung ist in meinen Augen aber eine moralische Bankrotterklärung, welche deutlich macht, dass die Sender ihrem öffentlich-rechtlichen Auftrag nicht gerecht werden und damit ihre eigene Legitimation verspielen.

So heißt es seitens der Sender, dass eine Ausrichtung des Programmangebots weg von den Quoten zu einem Akzeptanzverlust des öffentlich-rechtlichen Fernsehens führen würde.

Man fügt sich also in weiten Teilen dem was die Masse sehen will. Auch, wenn das jetzt wieder mal als überheblich aufgefasst werden könnte möchte ich an dieser Stelle die Assoziation zu dem Satz „No one ever got poor underestimating the public“, welchen ich aus dem Mund von Adam Buxton gehört habe erwähnen.

Die Aufgabe ein massenkompatibles Programm zu produzieren können meines Erachtens auch die Privaten hervorragend erfüllen. Meist sogar besser als die ÖR, da den Privaten gar nichts anderes übrig bleibt als nach marktwirtschaftlichen Grundsätzen zu handeln.

Würde der öffentlich-rechtliche Rundfunk aufhören auf die Quoten zu blicken würden selbige wohl deutlich sinken. Damit ginge tatsächlich ein Akzeptanzverlust in der Bevölkerung einher, worauf der Druck auf die öffentlichen-rechtlichen Sender sich zu schrumpfen steigen würde. Und dass das keiner bei ARD und ZDF verantworten möchte ist klar. Trotzdem halte ich einen solchen Schritt für notwendig.

Eine Privatisierung des ZDF halte ich als möglichen Teil eines Umbaus des öffentlich-rechtlichen Runfunks für sinnvoll. Dass so etwas machbar ist beweist der 1987 privatisierte, heute erfolgreichste französische Sender TF1. Und auch das Modell des britischen Senders Channel 4, welcher einem öffentlich-rechtlichen Programmauftrag nachkommt, sich jedoch nicht von Rundfunkgebühren finanziert und bei dem alle Gewinne ins Programm zurück investiert werden halte ich an der Stelle für erwähnenswert.

Für die Programme der ARD wünsche ich mir eine Programmausrichtung, die vor allem den Kernaufgaben des öffentlich-rechtlichen Rundfunkauftrags nachkommt: Information und Bildung. Hohe Ausgaben für Sportübertragungen und Prominente wie Günther Jauch, Thomas Gottschalk, Markus Lanz, Harald Schmidt, sowie übermäßig hohe Gehälter für die Intendanten der einzelnen Rundfunkanstalten sind damit nicht tragbar. Insgesamt sollte ein sorgsamerer Umgang mit Gebührengeldern sichergestellt werden. Warum das ZDF beispielsweise eine „grüne Hölle“ braucht um Nachrichten zu senden erschließt sich mir nicht wirklich.

Bitte nicht falsch verstehen: Auch die Sender der ARD sollen weiter Unterhaltung, Sport usw. senden dürfen. Es sollte aber nicht ihr Programmschwerpunkt sein.

Eine Anmerkung zu den Sparüberlegungen: An sehr sinnvollen Angeboten wie z. B. dem Kinderkanal und BR-alpha sollte nicht gespart werden.

Im Rahmen eines Umbaus des öffentlich-rechtlichen Rundfunks halte ich auch die Finanzierungsquellen der Öffentlichen-Rechtlichen für überdenkenswert. So fordere ich ein Verzicht auf jegliche Form von Werbung und Sponsoring in der ARD – nach dem Vorbild der Inlandssender der BBC.

Die geplante Haushaltsabgabe fände ich nicht prinzipiell komplett falsch, wenn die Sender ihrem öffentlich-rechtlichen Auftrag ehrlicher nachgehen würden. Anstelle einer Haushaltsabgabe fordere ich jedoch eine Finanzierung über eine Erhöhung des vollen Mehrwertsteuersatzes, was mit weniger Bürokratie und mehr Gerechtigkeit einhergehen dürfte. Mehr Gerechtigkeit, weil meiner Meinung nach die Rundfunkgebühren momentan eine Umverteilung von „unten“ nach „oben“ darstellen.

Ein ganz nett gemachter Film zum Thema, welcher in der Wikipedia als „Mediensatire“ bezeichnet wird ist „Free Rainer – Dein Fernseher lügt“.

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