Artgerechte Tierhaltung: Teil eins

Seit ein paar Wochen kommt fast jede Nacht obiger Igel an die Küchentür zur Terrasse zum Schälchen mit dem Katzenfutter. Der Igel ist teilweise sehr schreckhaft und läuft auch bei leisen Geräuschen weg. Aber er kommt bald wieder zurück, wenn die Futterstelle mit Katzenfutter aufgefüllt wird.

Mir stellt sich die Frage was man einem Igel denn an Futter zur Verfügung stellen sollte. Erfüllt das Katzenfutter die „nutritional needs“ des Tieres? Kann man hier von artgerechter Tierhaltung sprechen? Ein kurzes googeln (An dieser Stelle sei erwähnt, dass Google diesen Blog gestern in seinen Suchindex aufgenommen hat. Ich hoffe der Googlebot hat sich darüber gefreut, dass ich ihn im ersten Eintrag direkt willkommen geheißen habe.) bringt mich auf eine Seite laut der artgerechte Tierhaltung mit der Einhaltung der folgenden fünf Punkte einherginge:

1. Freiheit von Hunger, Durst und Fehlernährung

2. Freiheit von ungeeigneter Unterbringung

3. Freiheit von Schmerz, Krankheit und Verletzung

4. Freiheit von unnötiger Belastung

5. Freiheit zur Ausübung normalen Verhaltens

Das scheint mir alles sehr sinnvoll zu sein.

An mehreren Stellen im Netz findet sich die Aussage, dass ein Igel welcher immer nur Katzenfutter frisst fehlernährt werde, da dieses Futter nicht alles enthalte was so ein Igel benötige. Da das Katzenfutter aber wohl nicht die einzige Nahrungsquelle des Igels sein dürfte gehe ich davon aus, dass der Igel von dem ich schreibe nicht fehlernährt wird.

Eine andere Frage, die sich mir in diesem Zusammenhang aufdrängt, ist die, ob die Tiere aus dem das Katzenfutter hergestellt wurde artgerecht gehalten wurden. Die Antwort kann ich mir beim Preis von 89 Cent für 1 kg Trockenfutter selbst geben: Nein, ganz bestimmt nicht.

Das Futter habe ich für die nicht gerade übermäßig gefütterten Katzen, die uns im Normalfall täglich besuchen gekauft. Und der Gedanke, dass das Futter bestimmt nicht artgerecht hergestellt wurde kam nicht erst nach der Katzenfutterbesorgung auf. Ein gutes Gefühl hatte ich folglich nicht als ich die Katzennahrung aus dem Regal nahm. Zwar hätte es auch teureres Katzenfutter gegeben, aber bei keinem der vielen Sorten wurde die Haltung der Tiere, die hinter dem Futter standen überhaupt erwähnt. Den Katzen kein Futter zu kaufen hätte allerdings nicht nur mir ein noch schlechteres Gefühl bereitet, sondern auch meinen sich von Fleisch, Milch und Ei ernährenden Mitbewohnern.

Was gibt man so einer Katze denn nun? Die Katze selber schauen lassen wo sie bleibt kommt nicht in Frage.

Weiter konventionelles Katzenfutter zur Unterstützung der Massentierhaltung?

Teures biozertifiziertes Katzenfutter aus einem Onlineshop?

Mit Bio-Rohfleisch verfüttern?

In jedem der drei genannten Fälle müssen andere Tiere dafür dran glauben, dass die Katze versorgt wird. Vermutlich gibt es Möglichkeiten und Wege den Tieren vor der Schlachtung das Leben nicht unnötig schwer zu machen – ganz bestimmt ist dafür aber ein heftiger Preisaufschlag notwendig, da industrielle Tierhaltung von vorn bis hinten auf Kosten der gehaltenen Tiere durchrationalisiert ist. Zwar mag das Argument stimmen, dass der Tierhalter nicht viel davon hat, wenn seine Tiere schon massenhaft vor der Schlachtung an Vernachlässigung sterben – aber er hat betriebswirtschaftlich gesehen auch nichts davon, wenn es seinen Tieren gut anstatt schlecht geht, ausser natürlich wesentlich höhere Kosten.

Es gibt noch eine grundlegend andere Möglichkeit Katzen zu ernähren: Vegan.

Während sehr häufig zu lesen ist, dass Katzen von der Natur vorgegeben auf die Aufnahme von Fleisch zugeschnitten sind und deswegen nicht fleischlos ernährt werden könnten finden sich gleichzeitig einige Berichte von Katzenbesitzern, die ihre Tiere ausschließlich mit tierfreiem Katzenfutter, welches mit Taurin angereichert ist ernähren und auch nach vielen Jahren dieser Fütterung absolut gesunde Katzen vorzuweisen hätten. Dabei muss allerdings erwähnt werden, dass die meisten der Tiere sich wohl auch ab und zu z. B. durch das Fangen einer Maus zusätzlich tierisch ernähren. Andere Katzenbesitzer schreiben aber, dass ihre Katzen gesundheitliche Probleme mit veganem Futter bekommen hätten. Auffällig ist, dass auch unter Leuten, welche sich selbst als „vegan“ bezeichnen keinerlei Einigkeit herrscht wie man eine Katze denn nun richtig füttert.

Mir erscheint es keineswegs natürlich ein Tier, welches nicht darauf vorbereitet ist sich ausschließlich tierfrei zu ernähren trotzdem genau so zu ernähren.

Ebenfalls sehe ich es als widernatürlich an einer Katze Futter in Form von verarbeiteten Rinder- und Schweineabfällen vorzusetzen.

Von natürlich kann vermutlich nur die Rede sein, wenn Katzen Mäuse und Vögel fressen und diese dabei nicht schnell töten, sondern erst mal grausam leiden lassen. Natur ist Totschlag, Vergewaltigung, Leid.

Ich hab’s nicht so mit der Natur. Artgerechte Haltung nach obiger Definition finde ich hingegen prinzipiell erstmal prima.

Eine in jeder Hinsicht perfekte Lösung eine Katze zu ernähren scheint es nicht zu geben. Die Idee eine Katze mit Fleisch aus möglichst gut gehaltenen Tieren zu füttern halte ich für sinnvoll, auch wenn sie teuer und momentan in einer Welt, in der Tierrechte ganz unten auf der Prioriätenliste stehen schwer praktikabel ist. Der ein oder andere mag für sich auch den Schluß ziehen deswegen erst gar keine Katzen zu halten.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s