Don’t let the truth get in the way of a good story

Ende Juli habe ich auf Spiegel Online einen Artikel gelesen der sich mit der steuerlichen Betrachtung von Lebensmittelspenden an die Tafel widmet.

Davon dass der Spender der Lebensmittel Spendenquittungen bekommt mit denen er steuerlich insgesamt deutlich besser da steht als wie wenn er seine Backwaren einfach wegwerfen würde und davon dass bei den Tafeln circa 1/3 der Kosten für die Entsorgung von Lebensmitteln draufgehen kein Wort.

 
Ein Bäcker der selbst die Tafeln beliefert schreibt dazu:

Die Medien scheinen recht dankbar für diesen Reißer zu sein, und haben offensichtlich auch kein Interesse, die zusätzlichen Informationen zu liefern, die das ganze in einem weit weniger spektakulären Licht erscheinen lassen würden. Wenn man sich für eine (Lebensmittel-)Spende eine Quittung geben lässt, mit dem Hintergedanken diese dann bei der Gewinn- und Verlustrechnung als „Sonstige Aufwendungen im Rahmen der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit“ gewinnmindernd anzurechnen, kann man die Summe der zu zahlenden u.a. Körperschaftssteuer reduzieren. Gerade Bäckereien hätten damit die Möglichkeit, sich von der Steuerlast komplett frei zu rechnen, da es die täglich übrigbleibenden z.T. sehr großen Mengen an Backwaren, über den Umweg der Spende an Tafeln, ermöglichen würden, den eigentlich durchaus vorhandenen Gewinn zu verschleiern. Glücklicherweise ist der Bedarf der Tafeln nicht so groß wie die Überschussproduktion, so dass dieser Mechanismus nicht ganz so exzessiv ausgenutzt werden kann. (Eine Überschussproduktion steuerlich zu belohnen wäre auch vollkommen schwachsinnig.)

[gekürzt]Ich sehe den Skandal wo anders: Hier wurde ein Bäcker aufgefordert seiner Steuerpflicht nachzukommen, er aber wendet sich an die Medien, die für die, auf den ersten Blick empörende Konstellation, mehr als dankbar sind, und darin einen heißen Skandal erkannt haben wollen. Und obendrein erntet dieser Bäcker auch noch Anerkennung für sein „soziales“ Verhalten.Und das muss jetzt schon einmal gesagt werden: Sicher, es mag unsinnige Regelungen im Steuersystem geben. Aber so ganz grundsätzlich: Mich überzeugt die kluge Art der Steuererhebung in Deutschland umso mehr, je tiefer ich in die Materie vordringe. Im konkreten Fall: Die Mehrwert- und die Körperschaftssteuer liegen gar nicht so weit auseinander, so dass es letztendlich für den Bäcker egal ist, ob er auf die gespendeten Waren die Mehrwertsteuer, oder auf seinen nicht „gewinnoptimierten“ Jahresüberschuss Körperschafts- und Gewerbesteuer zahlt.
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